Diese charakteristische Aussage Ludwig Wittgensteins

Einleitung

Diese charakteristische Aussage Ludwig Wittgensteins fasst im Wesentlichen die zentrale These seiner späten Sprachphilosophie, die in den Philosophischen Untersuchungen[1] dargelegt wird, zusammen. „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache."[2] Demnach haben Wörter an sich ,,kein semantisches Jenseits, keinen Raum metaphysischer Bedeutungen"[3]. Vielmehr findet sich die Bedeutung eines Wortes oder Satzes in seinem Gebrauch, eingebettet in eine durch soziale Faktoren geprägte Situation. Im alltäglichen Leben, das durch ständig wechselnde, aber stets allgegenwärtige Kommunikationssituationen geprägt ist, scheint dem Bergriff der Bedeutung eines Wortes so eine besondere Rolle zuzukommen. Sie ermöglicht es den Kommunikationspartnern, auszumachen, welche Botschaft das jeweilige Kommunikationsgegenüber intendiert, und eröffnet somit die Möglichkeit, auf diese Botschaft angemessen zu reagieren. Auch die Sprachphilosophie hat diese Relevanz der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke nicht verkannt und sich in der Semantik, der Bedeutungslehre, der Frage »Was versteht man unter der Bedeutung eines Wortes?ù gewidmet.

Um seine Theorie der Bedeutung zu fundieren, entwickelt Wittgenstein den Begriff des Sprachspiels. So finden sich in den Philosophischen Untersuchungen zahlreiche Beschreibungen von Sprachspielen; eine konkrete Definition des Begriffs bleibt jedoch aus. Den Ausgangspunkt der wittgensteinschen überlegungen zur Sprachbedeutung bildet die normale Alltagssprache.[4]

Um erfassen und verstehen zu können was es mit dem Sprachspielbegriff Wittgensteins auf sich hat, möchte ich im Folgenden auf einige zentrale Begriffe aus den PU einzugehen. Zu den zentralen Begriffen zählen neben dem des Sprachspiels selbst, der der Lebensform, der der Familienähnlichkeit sowie der der Regel. Des Weiteren möchte ich darauf eingehen in welchem Verhältnis Wittgenstein dem Sprachspiel Augustinus gegenübersteht und wie sich die Abbildtheorie Augustinus von der Bedeutungstheorie Wittgensteins unterscheidet. Die Folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit dem 1.Teil der PU, primär werden die §1-68 behandelt.

Die pragmatische Gebrauchsauffassung Wittgensteins

In den Philosophische Untersuchungen widmet sich Wittgenstein der Entstehung und Relevanz der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke. Wittgensteins schon im TLP dargelegte Sprachphilosophie, in der er zwar einen wesentlichen Teil der Sprache treffsicher zusammenfasste, welche dem tatsächlichen Sprachgebrauch jedoch nicht gerecht werden konnte, erfährt in den PU eine umfassende Neubearbeitung.[5] Die in den PU dargestellte Umorientierung basiert auf der pragmatischen Bedeutungsauffassung Wittgensteins und wird auch als Gebrauchstheorie der Bedeutung bezeichnet, die grundlegend für die neu entstehende ordinary language philosophy war.[6] Wittgenstein geht hier davon aus, dass die Bedeutung eines jeden Wortes in direkter Verbindung mit seinem Gebrauch in der Sprache steht.

So kann ein Wort kann nur dann bedeutsam werden, wenn es in einer Sprache eine bestimmte Verwendung, seinen Gebrauch, erlangt. Dabei kommt einem Wort nicht eine singuläre Bedeutung zu, solange es keine singuläre Verwendungsweise besitzt, seine Verwendung sowie die Bedeutung kann je nach semantischem Zusammenhang variieren. Um also verstehen zu können, was mit einem Begriff gemeint ist, ist es zunächst notwendig dessen unterschiedlichen Gebrauchsweisen zu erlernen, um die unterschiedlichen Weisen voneinander differenzieren zu können. Es ist die Bedeutung eines Wortes, die es den Kommunikationspartnern ermöglicht, die Botschaft ihres Gegenübers zu intendieren. Dies ist die Basis des Verstehens; nicht zu verwechseln mit dessen Ergebnis"[7]. Das bedeutet, dass mit Gebrauch die Gebrauchsweise eines Wortes in der Sprache, somit die Regel des Gebrauchs, gemeint ist und nicht einzelne Gebrauchsinstanzen.[8]

Welche Gebrauchsweisen nun sinnvoll und zulässig sind, wird durch Regeln[9] und Konventionen innerhalb der sozialen Gesellschaft, die das jeweilige Sprachsystem praktiziert, festgelegt. „Der Begriff des Regelfolgens ist untrennbar mit dem Gedanken der Einübung in eine praktische Handlungsweise verknüpft"[10] und kann folglich nicht von sozialen Handlungszusammenhängen abstrahiert werden. Wie diese Verflechtung in eine praktische Handlungsweise beschaffen ist, wird im folgenden Kapitel unter dem Sprachspielbegriff erläutert.

Der Sprachspielbegriff

Grundlegend für die Entwicklung des Sprachspielbegriffs, ist die Frage nach der Funktionsweise unserer Alltagsprache. Um seine Theorie von anderen philosophischen Auffassungen über den Sprachgebrauch abzugrenzen, setzt sich Wittgenstein zunächst mit der Abbildtheorie Augustinus auseinander. Der Begriff Abbild ist hier im Sinne einer bestimmten Auffassungs- und Anschauungsweise zu betrachten.[11]

„Nannten die Erwachsenen irgend einen Gegenstand und wandten sie sich dabei ihm zu, so nahm ich das wahr und ich begriff, dass der Gegenstand durch die Laute, die sie aussprachen, bezeichnet wurde, da sie auf ihn hinweisen wollten. Dies aber entnahm ich aus ihren Gebärden, der natürlichen Sprache aller Völker, der Sprache die durch Mienen- und Augenspiel, durch die Bewegungen der Glieder und den Klang der Stimme die Empfindungen der Seele anzeigt, wenn diese irgend etwas begehrt, oder festhält, oder zurückweist, oder flieht. So lernte ich nach und nach verstehen, welche Dinge die Wörter bezeichneten, die ich wieder und wieder, an ihren bestimmten Stellen in verschiedenen Sätzen, aussprechen hörte. Und ich brachte, als nun mein Mund sich an diese Zeichen gewöhnt hatte, durch sie meine Wünsche zum Ausdruck"[12]

Aus diesen Aussagen zieht Wittgenstein folgende Schlüsse: ,,Die Wörter der Sprache benennen Gegenstände", und weiter: ,,Jedes Wort hat eine Bedeutung. Die Bedeutung ist dem Wort zugeordnet. Sie ist der Gegenstand, für welches das Wort steht."[13] So wird jedem Wort in der Sprache genau eine Bedeutung zugewiesen. Der Lernende, in diesem Fall das Kind, erfasst zunächst nur, ,,Hauptwörter, wie ,Tisch`, ,Stuhl`, ,Brot` und die Namen von Personen"[14]; somit Gegenständliches. Dieses Gegenständliche stellt die Bedeutung des jeweiligen Wortes da. Die Verbindung von Wort und Bedeutung, Name und bezeichnetem Objekt, wird mittels Zeigegeste hergestellt.[15] Sätze könnten in dieser Sprache zunächst ausschließlich aus Namen bestehen, bis sich Verben, Adjektive und ,,all die übrigen Wortarten als etwas, was sich finden wird"[16] in den Sprachgebrauch einfügen.

Da Wittgenstein diese Darstellung der Sprache korrekturbedürftig scheint, setzt er dieser ein Beispiel entgegen, welches herausstellen soll welche Probleme eine Augustinische Sprachbildauffassung mit sich bringt. Um seine Ausführungen als die hilfreichere Auffassung des Sprachgebrauchs von dem Augustinus abzugrenzen, führt er folgendes Szenario an:[17]

„Jemand wird mit einem Zettel, auf dem ,,fünf rote äpfel" geschrieben steht, zum Kaufmann geschickt. Der Kaufmann ermittelt mit Hilfe einer Farbmustertabelle die Farbe Rot, öffnet die Lade, auf der das Zeichen für äpfel steht und nimmt, indem er die Zahlen bis fünf aufsagt, bei jeder Zahl einen Apfel heraus. Die Bedeutung des Wortes ,,Apfel" ist hier noch durch Augustinus Theorie erklärbar: das Zeichen für äpfel bezeichnet unmittelbar die Gegenstände äpfel. Ebenso verhält es sich mit der Farbe Rot im Farbmuster. ,,Was ist aber die Bedeutung des Wortes ,fünf`" fragt Wittgenstein am Ende von PU1. Für ,fünf` gibt es keinen Gegenstand, der auf dieses Zeichen verweist, der ihm konkrete zugewiesen werden kann. Woher kennt der Kaufmann also die Bedeutung des Wortes ,fünf`?"[18]

An diesem Beispiel lässt sich gut erkennen, welche Probleme sich einer Augustinische Sprachauffassung entgegenstellen, wenn Wörter Verwendung finden, für die es keine zeigbaren Gegenstände gibt. Für das Wort „Fünf" könnte demnach keine Entsprechung gefunden werden. So existiert ein Gegenstand der als „Apfel" bezeichnet werden kann und eine, wenn auch in Alltagssituationen eher selten genutzte, Farbtabelle anhand der der Begriff „rot" definiert werden kann. Das Wort „Fünf" jedoch kann nur abgezählt werden. Dazu muss man erst wissen, wie das abzählen funktioniert, ebenso wie man wissen muss wie man eine Farbtabelle gebraucht. So liegt die Betonung Wittgensteins hier nicht auf der „Bedeutung", sondern auf dem „Gebrauch" von Worten.[19] Die Augustinusische Abbildtheorie vom Gebrauch der Sprache und der ihr zufallenden Funktion ist demnach viel zu simpel und primitiv um sie auf die normale Sprache und deren Erwerb anzuwenden. Näher erläutert wird die Verwendung von Sprache in den Paragraphen PU §2 und PU §8.

Sprachspiel (2)

Die in PU §2 dargestellte Sprache entspricht einer „völlständig primitiven Sprache"[20], wie sie Wittgenstein der Abbildtheorie Augustinus unterstellt. Auch hier ist der Begriff „Bedeutung", als Stellvertreter eines Gegenstandes, zu einfach gewählt um unsere Sprache erklären zu können.

„Die Sprache soll der Verständigung eines Bauenden A mit einem Gehilfen B dienen. A führt einen Bau auf aus Bausteinen; es sind Würfel, Säulen, Platten und Balken vorhanden. B hat ihm die Bausteine zuzureichen, und zwar nach der Reihe, wie A sie braucht. Zu dem Zweck bedienen sie sich einer Sprache, bestehend aus den Wörtern: Würfel, Säule, Platte, Balken. A ruft sie aus; - B bringt den Stein, den er gelernt hat, auf diesen Ruf zu bringen."[21]

ähnlich wie bei Augustinus, gehören alle Wörter derselben Wortgruppe an, was die Funktion für die Kommunikation stark einschränkt. So kann jedes Wort auf genau eine Weise und einer art von Sprechakt gebraut werden. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, dass neben der Zusammenhang von Wort und Bedeutung in einen Handlungskontext integriert ist. Die Bauenden befinden sich in einer Kommunikationssituation, sie teilen eine gemeinsame Sprache mit denselben sprachlichen Ausdrücken. Weiterhin wird deutlich, dass der Prozess des Abrichtens, zunächst unabdingbar ist, ansonsten wären die Bauenden nicht in der Lage, sich auf diese Weise wie beschrieben zu verständigen. Die Reaktion des B steht somit im Konsens zu dem Zuruf des A, wenn B diesem den richtigen Baustein bringt.

Wir können uns auch denken, daß der ganze Vorgang des Gebrauchs der Worte in (2) eines jener Spiele ist, mittels welcher Kinder ihre Muttersprache erlernen. Ich will diese Spiele ,Sprachspiele` nennen und von einer primitiven Sprache manchmal als einem Sprachspiel reden. Und man könnte die Vorgänge des Benennens der Steine und des Nachsprechens des gesagten Wortes auch Sprachspiele nennen.[22]

Diesem ersten Sprachspiel muss jedoch zunächst ein „hinweisendes Lehren der Wörter"[23], ein „Abrichten"[24] vorausgehen. Von „hinweisender Erklärung"[25] oder „Definition"[26] kann hier nicht gesprochen werden, da im Falle des Erstspracherwerbs die Fähigkeit Fragen zu formulieren, sowie eine umfassende Erklärung zu verstehen noch nicht vorhanden ist. Denn damit würde das Kind schon eine Sprache beherrschen, was dem Begriff des Erstspracherwerbs widersprechen würde. Im Vordergrund steht also die Verknüpfung eines Wortes mit einem Gegenstand mittels hinweisender Gesten. Im Gegensatz zu klassischen (sprach-)philosophischen Positionen, sieht Wittgenstein die Ursache dieser Verknüpfung in der Sprachverwendung nicht im mentalen Vorstellungsbereich des Kindes, sondern in der öffentlichen Praxis. Erst durch den Prozess des Abrichtens, ist das Kind in der Lage selbst an der Praxis des öffentlichen Sprachgebrauchs teilzunehmen und diesen verstehen. Dem Verständnis und dem Gebrauch einer Sprache, sowie dem Ausführen von Handlungen in Verbindung mit Wörtern, muss demnach erlerntes Wissen zugrunde liegen.[27]

Um die richtige Umsetzung des Erlernten zu gewährleisten bedarf es zudem einen gewissen Handlungsrahmen der im Kontext zum Erlernten steht. So ist einerseits sowohl der Spracherwerb, als auch das richtige verstehen und danach handeln situationsabhängig. Den beiden Bauenden muss demnach, für ein funktionierendes Sprachspiel, bewusst sein in welche Rolle sie in diesem Sprachspiel einnehmen. Zudem muss die Funktion der Ausrufe geklärt sein, im situationsgebundenen Kontext stehen und vom Gegenüber als Aufforderung verstanden werden. Würde der A dem B beim Mittagessen beispielsweise das Wort Würfel zurufen, ohne dass in dieser Situation ein Würfel oder gar eine Baustellenszenerie vorhanden ist, fehlte jeglicher Funktionszusammenhang. Die Bedeutung von Wörtern ist also abhängig von ihrem Gebrauch innerhalb einer bestimmten Handlungssituation.[28] Somit nennt Wittgenstein „das Ganze: der Sprache und der Tätigkeiten, mit denen sie verwoben ist, das Sprachspiel [...]."[29]

Sprachspiel (8)

Im Sprachspiel des §8 wird das Sprachspiel aus §2 nun um Demonstrative, eine Buchstabenreihe, Farbmuster und um eine Syntax erweitert, was bedeutet, dass diese Sprache über das bloße Benennen von Gegenständen hinausgeht. Mit Hilfe der Wörter dorthin und dieses sind nun verschiedene Interaktionsmöglichkeiten im Sprachspiel denkbar.[30] So könnte der A den B nun auffordern, einen Würfel dorthin zu bringen. Dorthin könnte in diesem Fall der Ort sein, auf welchen der A mit dem Finger weisen würde. Des Weiteren könnte der A per Zeigegeste auf eine Platte verweisen und sie mit dieses bezeichnen und B somit dazu auffordern, ihm diesen Baustein zu bringen. Vorraussetzung wäre, dass beiden, A und B, ihre eigene (Sprech-)Rolle im Sprachspiel wie auch die des anderen bewusst ist. Wäre dies nicht der Fall könnte das Sprachspiel nicht richtig funktionieren. Denn wüsste der B beispielsweise nicht, dass der A die Bauleitung hat, würde er den Anweisungen des A eventuell gar nicht folgen, weil er in dessen Ausruf keine ihn selbst betreffende Anweisung verstehen würde. Wüsste der A wiederum nicht, dass ihm der B als Gehilfen zur Verfügung steht und er ihm die Anweisungen zurufen muss, damit dieser sie sie ausführt, würde er vielleicht selbst die Bausteine holen. Dem A muss die Funktion seines Ausrufs klar sein, so wie dem B die Funktion seines Heranholens bewusst ist, so sind ,, Ausrufe und Herbringen [...] in den Zusammenhang aufeinander abgestimmten Handelns eingebettet."[31] Wäre dies nicht der Fall, ,,gäbe es keinen Grund die vier Wörter als Bezeichnung von Bausteinen aufzufassen."[32]

Worte nicht haben eine einzige festgelegte Bedeutung, erst durch ihren Gebrauch in Sprachspielen gewinnen sie an Bedeutung. „Bedeutung kommt einem Wort nur in einem funktionierenden Sprachspiel zu. Sie ist weder eine Vorstellung noch ein Ding neben der Sprache, sondern existiert nur im Vollzug des Spiels."[33] Worte teilen sich also nicht durch das identifizieren einzelner Zeichen und Laute mit und haben dem zur Folge auch kein eigenes, narratives Wesen. Somit kann festgehalten werden, dass einem Wort an sich keine metaphysische Bedeutung zugesprochen werden kann.[34]

Gebrauch der Sprache

Die Schwierigkeit des richtigen Gebrauchs der Sprache liegt nun darin, den Bezug eines Wortes zu einem Objekt zu erläutern. Was im Bereich des Gegenständlichen mittels Zeigegeste oder vorführen funktioniert, stellt sich beispielsweise bei Zahl und Demonstrativpronomen problematisch da. Zwar ist zwischen diesen und Eigennamen oder Gegenstandsbezeichnungen eine ähnlichkeit im benennen nach „x bezeichnet y" nahe, doch bestehen frappierende Unterschiede bezüglich der Gebrauchsweise. Wie in PU §2 deutlich geworden ist können Gegenstandsbezeichnungen dazu dienen lediglich eine Form zu beschreiben oder aber auch die Aufforderungen zu formulieren, den Gegenstand herbei zu holen. Diese Verwendungsweise fällt den Zählwörtern im Regelfall nicht zu. Somit ist eine umfassende Analyse des situativen Wortgebrauchs von Nöten, die eine Aussage darüber ermöglicht ob der Gebrauch regelkonform und somit sinnvoll ist. Anhand eines Beispiels in PU11 werden die verschiedenen Funktionen und Gebrauchsformen von Wörtern erläutert.

„Denk an die Werkzeuge in einem Werkzeugkasten: es ist da ein Hammer, eine Zange, eine Säge, ein Schraubenzieher, ein Maßstab, ein Leimtopf, Leim, Nägel und Schrauben. - So verschieden die Funktionen dieser Gegenstände, so verschieden sind die Funktionen der Wörter. (Und es gibt ähnlichkeiten hier und dort.)"[35]

Der Werkzeugkasten kann hier als Metapher für die Wörter der Sprache verstanden werden, so haben sie, ebenso wie Werkzeuge, trotz aller ähnlichkeiten verschiedenste Verwendungsmöglichkeiten. So wie beispielsweise ein Hammer etwas auf verschiedenste Art und Weise modifizieren kann, so kann auch die Funktion eines Wortes in einem Sprachspiel variieren. Erst im Gebrauch erlangen Wort und Werkzeug ihre Bedeutung. So entscheidet der Situationskontext, auf welche Weise das Wort in das Sprachspiel eingebettet wird. So wie man Werkzeuge bestimmten Werkzeuggruppen zuordnen kann, muss man auch verschiedene Wortarten kategorisieren. Woraus ergibt sich aber nun die Bedeutung von Sätzen und Begriffen? Woher leitet sich ab auf was mit einem Wort Bezug genommen wird? Die Bedeutung eines Wortes ist Wittgensteins Ansicht zur Folge nicht von seinem Bezug abhängig[36], auch ohne diesen ist eine sinnvolle Verwendung möglich. Ebenso hägt Begriffen kein naturgegebenes Kärtchen, wie ,,ein Namenstäfelchen"[37] an oder ist aus sich selbst heraus gesichert.[38] So ergibt sich die richtige Verwendung aus dem Gebrauch der Sprache und nicht durch eine eindeutige Kennzeichnung einzelner Begriffe. Die unzähligen, sich aus dem Gebrauch von Worten entwickelnden, Sprachspiele können, wie im PU § 2 und §8, sehr einfach und überschaubar sein, oder eine komplexe Struktur aufweisen, wie sie beispielsweise Unterhaltungen, Streitdiskussionen oder Prüfungsgespräche zugrunde liegt. So wird wiederholt deutlich, dass das Wesen der Sprache an sich ein ,,offenes System von Sprachspielen, ein eigens Sprachspiel ist"[39] und nicht weiter konkretisiert werden kann.[40]

Die Komplexität der Sprache, ihrer Bedeutung durch ihren Gebrauch, sowie die Verschiedenheit der Sprachspiele wird in PU18 wie folgt beschrieben:

„Unsere Sprache kann man ansehen als eine alte Stadt: Ein Gewinkel von Gäßchen und Plätzen, alten und neuen Häusern, und Häusern mit Zubauten aus verschiedenen Zeiten; und dies umgeben von einer Menge neuer Vororte mit geraden und regelmäßigen Straßen und mit einförmigen Häusern."[41]

Damit ist die Sprache so verschachtelt und schwer zu erklären wie eine Stadt; sie besitzt keinen klar zu definierenden Anfangs- und Endpunkt. Die Sprache erweist sich zudem ähnlich Vielfältig wie das gezeichnete Bild, so können die verschiedenen Stadtteile, Häuser und Gassen der Vielzahl der Sprache gleichgesetzt werden. Sie stellen verschiedene Arten von Sprachspielen dar. So können Vororte und kleine Gassen beispielsweise als primitiven Sprachspiele gesehen werden, gerade und regelmäßige Straßen aufgrund ihrer logischen und klaren Linien für die Sprache der Mathematik gehalten werden. Weiterhin wird deutlich, ,,daß jede Sprache erweiterungsfähig, also keine Sprache in einem absoluten Sinne vollständig ist."[42] Wie bereits PU §23 deutlich macht, ist hat die Sprache eine dynamische Struktur die sich entwickelt und statisch verweilt.[43] So werden alte Ausdrücke durch neue ersetzt oder nach wieder aufs Neue entdeckt. So ist das Hauptziel des Sprechenden sich in der Sprache auszukennen, wie er sich in einer Stadt auskennt. Je besser dieser die Sprache beherrscht, das heißt je besser er die Wörter in unterschiedlichen Sprachspielen einzusetzen und zu deuten kennt, desto wird er sich in der Stadt auskennen. Grundsätzliche Züge eines jeden Sprachspiels können wie in PU §2 und §8 am besten an primitiven Sprachspielen deutlich gemacht werden, denn so sehen wir, „daß wir die komplizierten Formen aus den primitiven zusammensetzten können, indem wir nach und nach neue Formen hinzufügen."[44] Erst im situationsgebundenen Anwenden von Wörtern, kann eine Benennung und dass Konstruieren von Bedeutung stattfinden. Verkürzt: ,,Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache."[45] Eine Konkretisierung des Wesens der Sprache bleibt somit aus.[46]

Familienähnlichkeit, Lebensform und Regel

Lebensform

Ebenfalls vom Bedeutung für den Gebrauch der Sprache sowie das Verständnis des Begriffes des Sprachspiels sind die drei im Folgenden Komponenten: die Lebensform, die Familienähnlichkeiten und die Regeln.

Den sozialen Kontext eines Sprachspiels bezeichnet Wittgenstein als Lebensform. ,,Das Wort Sprachspiel soll hier hervorheben, daß das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform."[47] So können Sprachspiele verschiedener Gesellschaftsgruppen divergieren oder übereinstimmen, abhängig davon ihrem Sprachgebrauch und ihren damit verflochtenen Tätigkeiten. Eine solche Möglichkeit der Lebensform stellt nach PU §19 eine Kriegsschlacht dar. Charakteristisch für diese Lebensform sind Befehle und Meldungen sind. Um die Befehle und Meldungen in der Schlacht zu verstehen, müssen beide Kommunikationsteilnehmer der selben Lebensform angehören, daher neben den sprachlichen Ausdrücken auch die damit verwobenen Handlungen der Lebensform beherrschen. So kann es unzählige vorstellbare Lebensformen geben, wobei nicht festgelegt ist wie viele es tatsächlich gibt und wodurch ihre Natur bestimmt ist. Allgemein versteht Wittgenstein unter dem begriff Lebensform Gesamtheit aller Praktiken innerhalb einer Sprachgemeinschaft.[48]

Unsere Zugehörigkeit zu einer Lebensform bestimmt den Gebrauch unserer Sprache so und nicht anders. Daher kommen ,,verschiedene Sprachen kommen gerade durch Unterschiede zwischen den einbettenden Lebensformen zustande."[49] so Savigny Die Lebensform ist damit die erste Voraussetzung für ein gelingendes Sprachspiel, denn diese bestünde keine Notwendigkeit, das innerhalb dieser an Tätigkeiten ausgeführte, auszudrücken. Sie ist Vorraussetzung für jegliches gesellschaftliches Handeln in Gesellschaft und Kultur, was selbst wiederum wesentlicher Bestandteil der Lebensform ist.[50]

Der Begriff der Familienähnlichkeiten umfasst „das Problem der Vergleichbarkeit und Identifikation verschiedener Typen von Sprachtätigkeiten."[51] Der zuvor erwähnten Mannigfaltigkeit der verschiedenen Sprachhandlungen, verleiht das Beispiel des Werkzeugkastens oder des Spiels besonderen Nachdruck. Sprachspiele weisen demnach „keine durchweg gleichförmigen Tätigkeiten"[52], allerdings aber ähnlichkeiten auf. Am Beispiel von Spielen jeglicher Art[53], schließt Wittgenstein die Möglichkeit, ein allen Sprachspielen gemeinsames Merkmal festzulegen, aus. Selbiges gilt für sprachlich konsistente Begriffe. Wie in einer Familie verbindet sie eine gewisse ,,Familienähnlichkeiten"[54], so sind sie miteinander ,,in vielen verschiedenen Weisen verwandt"[55]. Eine ,,scharfe Grenze"[56] bezüglich des Wesens von Sprache, Sätzen, Regeln und Begriffe zu ziehen, erweist somit als nicht möglich. Eine gewisse ,,Vagheit" bleibt bestehen (PU 100).

Die bereits angesprochene Analogie zwischen Sprache und Spiel besteht darin, dass die Sprache, ebenso wie ein Spiel, Regeln unterliegt. Das Leben in einer Lebensform, also das gesamtgesellschaftliche Handeln, wird durch Regeln definiert. Explizite Regeln formuliert Wittgenstein jedoch nicht, so können „dem, was wir Regeln eines Sprachspiels nennen, sehr verschiedene Rollen im Spiel zukommen"[57]. Die Anwendung von Regeln wird in PU §54 beispielhaft erklärt:

„Die Regel kann ein Befehl des Unterrichts im Spiel sein. Sie wird dem Lernenden mitgeteilt und ihre Anwendung eingeübt. - Oder sie ist ein Werkzeug des Spiels selbst. - Oder: Eine Regel findet weder im Unterricht noch im Spiel selbst Verwendung; noch ist sie in einem Regelverzeichnis niedergelegt. Man lernt das Spiel, indem man zusieht, wie Andere es spielen."

So werden die Regeln die eine Lebensform dominieren, von den Beteiligten durch abschauen bei anderen Sprachteilnehmern erlernt. Fehler die Sprachteilnehmer machen, muss der Beobachter von einem richtigen Spielzug unterscheiden, weil diese durch ,,Merkmale im Benehmen der Spieler"[58] zu identifizieren sind.[59]

Regeln werden immer im Kontext einer Lebensform in einem Sprachspiel gebraucht. So stellt schon das Sprechen der Sprache gewissermaßen die Befolgung von Regeln da. Um mit anderen zu kommunizieren, gebraucht man die Sprache nach Regeln, die innerhalb der Lebensform befolgt werden und dadurch gegeben sind. Das bedeutet auch, dass Regeln erst durch ihren Gebrauch innerhalb des Sprachspiels lebendig werden, ,,[d]ie Regeln existieren erst innerhalb des Vollzugs des Sprachspiels."[60]; sie sind nicht vor ihrer Anwendung da: ,,die Vorstellung, die Regeln der gewöhnlichen Sprache müßten vor ihrer Anwendung dasein und unabhängig von ihr regeln, ist ein Mißverständnis."[61] Gerade weil die Regel erst im Gebrauch in Kraft gesetzt ist, folgt man ihr ohne eine vorher bekannte, festgelegte Definition, ,,ohne daß man überhaupt über einen Ausdruck für die Regel verfügt."[62]

,, ... Wie aber, wenn die Beobachtung keine Regel klar erkennen läßt, und die Frage keine zu Tage fördert?- Denn er gab mir zwar auf meine Frage, was er unter 'N` verstehe, eine Erklärung, war aber bereit, diese Erklärung zu widerrufen und abzuändern.- Wie soll ich also die Regel bestimmen, nach der spielt? Er weiß sie selbst nicht."[63]

PU54 verdeutlicht weiterhin, dass das Befolgen von Regeln nur durch die Praxis erlernt wird und in PU202 drückt Wittgenstein das explizit aus: Darum ist ,der Regel folgen` eine Praxis. Diese Praxis des Regelfolgens ,,ist untrennbar mit dem Gedanken der Einübung in eine praktische Handlungsweise verknüpft."[64] Die (unausgesprochenen) Regeln in einer Lebensform werden durch den ständigen Gebrauch eingeübt, bis sie unbewusst angewandt werden. ,,Wie der Regel zu folgen ist lernt man dadurch, daß man in einer bestimmten Handlungsweise abgerichtet wird, bis man bestimmte Reaktionen und Verfahrensweisen geradezu automatisch vollzieht, ohne zu überlegen."[65] In Pu53 schreibt Wittgenstein "daß dem, was wir Regeln eines Sprachspiels nennen, sehr verschiedene Rollen im Sprachspiel zukommen können." Mit Regeln ist es also ebenso wie mit Worten: In verschiedenen Sprachspielen haben sie verschiedene Funktionen und damit auch verschiedene Bedeutungen. Wenn sich ein Spiel verändert, verändern sich auch die Regeln; manche erscheinen dann mithin alt, weil sie nicht mehr auf das Spiel passen, neue Regeln kommen hinzu.

Kritik am Sprachbild Augustinus

Das zuvor benannte regelbehaftete Einbetten von sprachlichen Ausdrücken in gesellschaftliche Verhaltens- und Handlungszusammenhänge, beschreibt Wittgenstein in seiner eigenen Terminologie als Sprachspiele. Sprachspiele beziehen sich nicht nur auf sprachliches Verhalten, sondern auch auf bestimmte Tätigkeiten, die mit der Sprache verwoben sind.11 Der Begriff des Sprachspiels dient Wittgenstein dazu, „hervorzuheben, wie wichtig es ist, den Kontext der äußerung in Rechnung zu stellen, wenn es darum geht, die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks zu verstehen oder zu klären."12 Sprachspiele verweisen also auf die Verflechtung von sprachlichen und nicht sprachlichen Vollzügen im alltäglichen menschlichen Handeln und Verhalten.

Wie zu Anfang bereits erläutert, lernt das Kind nach Augustinus die Sprache, indem es zuerst sinnliche Gegenstände durch Hinweisen auf diese zu benennen lernt. Ab PU20 (bis PU32) arbeitet Wittgenstein, mal mehr, mal weniger deutlich, auf die Widerlegung dieser Theorie hin, wobei die Begriffe des Sprachspiels und der Lebensform immanent sind.

Das bloße Benennen von Gegenständen reiche nicht aus, um eine Sprache zu sprechen, ein Sprachspiel zu spielen, so schreibt Wittgenstein in PU26: ,,Man meint, das Lernen der Sprache bestehe darin, daß man Gegenstände benennt. Und zwar Menschen, Formen, Farben, Schmerzen, Stimmungen, Zahlen etc. [...] Man kann das [Benennen, J.B.] eine Vorbereitung zum Gebrauch eines Wortes nennen. Aber worauf ist es eine Vorbereitung?" Und in PU27 heißt es: ,,`Wir benennen die Dinge und können nun über sie reden. Uns in der Rede auf sie beziehen. - Als ob mit dem Akt des Benennens schon das, was wir weiter tun, gegeben wäre." Das Benennen von Gegenständen ist also nur ,,Vorbereitung zum Gebrauch eines Wortes" im Sprachspiel, ist nicht Teil des Sprachspiels selbst. Die Worte können so, wie bereits festgestellt, auch noch gar keine Bedeutung haben, da sie nicht in einem Sprachspiel gebraucht werden. ,,Daß man mit einem Ausdruck etwas benenne, sagt für sich allein noch gar nichts darüber, wie er Bedeutung hat."42 In PU28 macht Wittgenstein deutlich, dass Worte zwar mittels einer hinweisenden Definition (,,Das heißt ,zwei`") benutzt werden können, diese Definition dem Wort aber noch keine Bedeutung gibt. ,,Das heißt, die hinweisende Definition kann in jedem Fall so und anders gedeutet werden"(PU28), folgert Wittgenstein. Denn ohne eine Einbettung in ein Sprachspiel ,,hängt das Wort ,zwei` in der Luft", wie die Beispiele in PU28 deutlich machen bzw. ,,Hinweisende Definitionen sind dann vollkommen exakt, wenn sie den Lehrerfolg der hinweisenden Erklärung haben [...], wenn der Adressat also auf Grund der Definition das Wort in derselben Weise verwenden kann wie der Definierende."43 Die hinweisende Definition verliert aber ihre Gültigkeit, sobald der Adressat das so definierte Wort in einer anderen Weise verwenden möchte als der Definierende. Weiterhin ,,muss das [durch Hinweis definierte, J.B.] Wort [...] erklärt sein, ehe jene hinweisende Definition verstanden werden kann." (PU29). Aus PU 30 geht hervor, dass das (durch hinweisen auf den Gegenstand) benannte Wort den Gebrauch desselben dann erklärt "wenn es schon klar ist, welche Rolle das Wort in der Sprache überhaupt spielen soll." (PU30).

So kann das Benennen von Gegenständen nicht, wie Augustinus meint, der erste Schritt des Sprechens sein, denn ,,man muß schon etwas wissen (oder können), um nach der Benennung fragen zu können." (PU30). Oder, wie Savigny es ausdrückt:

Wer nach der Benennung fragen können soll, muß wissen, was er mit der richtigen Antwort anzufangen hat [...]; denn wer nichts damit anfangen kann, faßt die Antwort gar nicht auf [...] Von der Mitteilung einer Benennung kann nur Gebrauch machen, wer weiß, wie er die Benennung zu verwenden hat; über diese sprachliche Kompetenz muß also der Adressat der hinweisenden Erklärung und erst recht der Adressat der hinweisenden Definition schon verfügen.44

Nur wer weiß, was eine Farbe ist, kann die hinweisende Erklärung, dass dies die Farbe ,,Sepia" sei, verstehen (PU30). Und nur derjenige, welcher die Regeln des Schachspiels kennt, weiß welche Rolle der bis dahin in ihrer Form unbekannten Figur des Schachkönigs in den Regeln zukommt (PU31). In dem Moment, in welchem nach unbekannten Wörtern gefragt wird, wird aber schon ein Sprachspiel gespielt, welches das unbekannte Wort einbettet und ihm so eine Bedeutung zukommen lässt; das Fragen nach der Benennung gehört somit schon nicht mehr zur Vorbereitung des Sprachspiels. Wer nach der Benennung fragt, muss also bereits sprachkompetent sein; dies zeigt auch das Beispiel in PU32: wer eine fremde Sprache sprechen lernt, muss schon eine Sprache besitzen, übersetzt im Kopf lediglich die Worte der ,,alten" Sprache in die neue und umgekehrt. Und ebenso könne man, so Wittgenstein, auch Augustinus Bild der Sprache beschreiben. Dieser gehe davon aus, dass es schon eine innere Sprache in Form von ,,Denken" (gleich der in PU25) gebe, und das Benennen sei nur die laut ausgesprochene innere Sprache. Savigny bringt in seinem Kommentar zu PU32 den Fehler der Sprachtheorie Augustinus auf den Punkt:

Er [Augustinus, J.B.] übersieht, was für Kompetenzen über das Wörterhören und Wörtersprechen hinaus erworben werden müssen, oder: worin das Zuordnen von Wörtern zu Gegenständen eigentlich besteht. Der Fehler an Augustins Sprachbild ist damit: die Relevanz der Einbettung sprachlicher Ausdrücke in soziale Sprachspiele wird übersehen, und mit der Zurückführung des Sprechens aufs Denken wird die Frage, was Sprechen ist, bloß auf die Frage verlagert, was lautloses Sprechen sei.45

Bezzel fasst diese Kompetenzen unter ,,kulturspezifische Bedingungen", die erfüllt sein müssen, zusammen. Hinweisende Definitionen können ,,daher nicht erklären, wie das sprachliche Be-Deuten unter Menschen zustande kommt und funktioniert."46

Schluss

Wittgenstein entwickelt in den untersuchten Paragraphen einen Gedankengang, der Sprache weit mehr konzediert als das bloße Aussprechen von Lauten in einer logisch geordneten Form. Vielmehr ist Sprache der Ausdruck und das Ergebnis des sozial- kulturellen Hintergrunds des Sprechenden. Die Einbettung des Sprechers und seiner Sprache in den gesellschaftlichen Kontext, der von Wittgenstein als Lebensform formuliert wird, ist von größter Wichtigkeit um Sprache, ihren Gebrauch und ihre Bedeutung zu beschreiben und zu analysieren. Anhand des Sprachspiel-Begriffs zeigt Wittgenstein, dass Worten und Sätzen Bedeutung nur durch ihren Gebrauch zukommt. Wörtern herausgehoben aus ihrem Bedeutungskontext eine Bedeutung zu zugestehen ist für ihn schlechterdings unmöglich. Die Rolle des Regelbefolgens innerhalb des Sprachgebrauchs verweist sowohl auf die Lebensform als auch auf den Gebrauch der Wörter: Sprache beruht auf Regeln, nur derjenige, der sich nach ihnen richtet kann sprechen, wird verstanden und versteht andere Sprecher. Die Regeln werden dabei einerseits von der Lebensform bestimmt, anderseits durch sie gelehrt und durch die Notwendigkeit des Gebrauchs eingeübt bis zur automatischen, unbewussten Befolgung. Weiterhin fasst Wittgenstein Sprache nicht als den reinen Sprechakt auf; sie impliziert Tätigkeit allgemein, denn Sprache begleitet das Handeln und fordert es gleichzeitig. Wir können also feststellen, dass Wittgensteins Theorie der Sprache Sprachpraxis intendiert. Pragmatisch verweist sie auf Gemeinschaft, Gesellschaft, Kultur etc., gleichzeitig definiert sie sich wesentlich durch diese.

Dass Wittgenstein - zu Recht- die Sprache der verklärt-metaphysischen Ebene enthebt und damit zurückverweist auf ihre einzige Bedeutung, nämlich ihren Gebrauch, ist hoffentlich deutlich geworden.

  1. Wittgenstein, Ludwig: Philosophische Untersuchungen. Auf der Grundlage der Kritisch-genetischen Edition. Herausgeber: Joachim Schulte. Frankfurt am Main 2003. (Im Folgenden zitiert als: Wittgenstein PU).
  2. Ebd.:
  3. Ebd.:
  4. Vgl.: Kellerwessel, Wulf: Sprachphilosophie in den „Philosophischen Untersuchungen". Eine kommentierte Ersteinführung. Heusenstamm 2009. S.37. (Im Folgenden zitiert als: Kellerwessel).
  5. Kellerwessel S.19
  6. Vgl. Lange, Ernst Michael. S.138
  7. Wittgenstein, S.11
  8. Kellerwessel, S.39
  9. Vgl. Lange, Ernst Michael. S.139
  10. Wittgenstein
  11. Kellerwessel, S. 40-42.
  12. Wittgenstein, S. 13
  13. Wittgenstein, S.13.
  14. Vgl.: Savigny, S.40.
  15. Vgl.: Kellerwessel, S. 47-52.
  16. Wittgenstein, S. 16.
  17. Vgl.: Savigny, S.43-44.
  18. Kellerwessel/Lange
  19. Wittgenstein PU, S.18.
  20. PU §40
  21. PU §16
  22. PU §56
  23. Vgl.: Savigny, S. 47.
  24. Wittgenstein PU, S.21.
  25. Savigny, S.50.
  26. Vgl.: Kellerwessel, S.62.
  27. PU §43
  28. Vgl.: Savigny, S.46-47.
  29. PU §23
  30. Savigny S.
  31. Vgl.: Bezzel, S.17-18
  32. Hanna14
  33. Hanna 15
  34. PU §68
  35. PU §67
  36. PU §65
  37. PU §67
  38. PU, S.49
  39. PU 54
  40. Billing, S. 110-115-

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